cocofee's elfchen


N°1


stille.

leere strassen.

die stadt schläft.

ein kalter wind weht.

neujahrsmorgen.



N°2


unsichtbar.

die gefahr.

jeder ist experte,

aber keiner weiss bescheid.

corona.



N°3


strassen.

weiss bedeckt.

schnee von gestern.

und geschichten von heute.

schurke.



N°4


aussicht.

hey cutie.

you are welcome.

bald ist es frühling.

blaumeise.



N°5


sonntag.

überraschend vertraut.

lange nicht gesehn.

wir kennen uns nicht.

evergreens.



N°6


open.

rechts.links.

kurz nicht hingeschaut.

ein klick, der augenblick.

close.



N°7


nachmittag.

es regnet.

dazwischen die sonne.

die zeit steht still.

frieden.



N°8


frontrow.

wie langweilig.

nichts als wetter.

kein ende in sicht.

schneegestöber.



N°9


vage.

alles versprechend.

sich nicht zeigend.

bleiben wir besser unwissen.

übermorgen.



N°10


unaufhaltsam.

irgendwie unpassend.

ich ignoriere es.

krieg mich nicht ein.

lachflash.



N°11


grenzen.

überall. nirgendwo.

rue de blamage

und streben nach mehr.

leben.



N°12


sonne.

rauschende strassen.

ein wind weht.

ich schliesse meine augen.

mittelmeerflair.



N°13


focus.

hallo welt.

es ist märz.

wann ist das passiert.

wtf.



N°14


lugano.

menschen spazieren.

geniessen die sonne.

ein mann spielt coldplay.

magisch.



N°15


maskerade.

ein phänomen.

begegnungen des alltags.

plötzlich kennt man sich.

hoffnung.



N°16


nein.

why not?

ich liebe farben

und die alte neugier.

überraschung!



N°17


sonntag.

einfach sein.

n'oublie jamais.

nichts ist ein geschenk.

zeit.



N°18


hellwach.

um mitternacht.

schattenspiel der jalousien.

lasset das fest beginnen.

vollmond.



N°19


weitsicht.

pochendes herz.

der nordwind weht.

ich atme tief ein.

freiheit.



N°20


root.

tief verankert.

vor offenen toren.

nimm es in die hand.

sudo.



N°21


freibad.

kühles nass.

zug um zug.

für einmal wieder abtauchen.

reset.



N°22


sonntagmorgen.

radio läuft.

kaffee am start.

irgendwie geht es immer.

confidence.



N°23


o coffee! my coffee!


kaffee bedeutet für mich genuss. womöglich die naheliegendste antwort. aber in jener sekunde, in der ich darüber nachdachte, erinnerte ich mich an so viele andere kaffeemomente, die, wenn ich ehrlich bin, viel tiefer sitzen, als der genuss. ich erinnere mich an vertraute gespräche. fröhliche und traurige, mit oder ohne zigarette.


ein «lass uns reden» wird durch «lass uns einen kaffee trinken» ganz plötzlich von der ernsten angelegenheit zur umarmung. allein das anbieten eines kaffees, ein zeichen der freundschaft und fürsorge. ein brückenbauer, ein intro, ein vermittler.


weiter denke ich an sonntage. was gibt es schöneres, als im bett zu bleiben, während der liebste kaffee zubereitet. wenn der raum nach frischem kaffee riecht und im hintergrund leise das radio läuft. wenn es draussen regnet und man einfach verweilen kann, denn man hat alles was man braucht. ja, dann fühle ich mich zuhause.


ich erinnere mich auch an weniger romantische momente, in denen der kaffee aber zuverlässig seinen job machte. ich denke an den tag nach langen partynächten, stressige zeiten bei der arbeit, nachtwache und lernphasen. der kaffee hielt immer, was er versprach. er lichtete den nebel.


womöglich ist es ein schmaler grat zwischen genuss, routine, zweck und vertrautheit. womöglich spielt es aber auch gar keine rolle. viel mehr frage ich mich gerade, was die welt ohne kaffee wäre? wir wären wohl alle teetrinker.



N°24


entschlossen.

erhobenen hauptes.

handtasche im griff.

rote strähnchen und playboyparfüm.

attitude.


N°25


okay.

kei stress

30 ide 50er.

go with the flow.

freitag.


N°26


kitsch.

shine bright.

meh isch meh.

es dörf meh si.

blickfang.


N°27


wiesenblumen.

goldene stunde.

irgendwo brennt feuer.

regen auf warmen asphalt.

heimat.


N°28


camouflage.

leo print.

pulli in pink.

und plüschige pelz bommel.

#whybeboring


N°29


ein basler fäärimaa


seit 30 jahren sitze er nun auf der fähre. dabei höre er keine musik und lese auch keine zeitung. er geniesse die ruh' und lausche dem rauschen des rheins.


von zeit zu zeit bringe er leute zum anderen flussufer. ein motor benötige er dafür keinen. nicht einmal ein steuer. er müsse lediglich das seil, an welchem die fähre befestigt ist, auf der anderen bootseite anbringen. die kraft des rheins erledige dann den rest.


der fährmann setzte sich in seinem bunten strickpullover auf die bank, faltete seine hände im schoss und lächelte zufrieden.


wind und wetter würden für ihn keine rolle spielen. seine tiefblauen augen leuchteten regelrecht in seinem sonnengebräunten gesicht und strahlten eine wärme aus, als hätte er nie kälte gesehen.


N°30

hotellobby


sie erstrahlt in vollem glanz und alles steht an seinem ort.


in der sitzecke der hotellobby ist es gemütlich. gemälde zieren die wände. daneben ein meterhohes regal aus dunklem holz. man könnte meinen, ein möbelstück dieser grösse wirke erdrückend, doch irgendwie schafft dieser überdimensionale setzkasten eine atmosphäre, die zum verweilen einlädt.


direkt gegenüber steht eine japanische vase aus porzellan. die zeit hat spuren hinterlassen. goldene bruchstellen heben die makel hervor und reflektieren das licht.


ein aroma-diffuser versprüht einen raumduft. white mulberry und moschus. ungewohnt aufdringlich ummantelt es einen wie eine willkommene einladung.


im hintergrund hört man leise ein piano und geräusche der angrenzenden bar.


von der eingangstüre führt ein teppich zum empfang. das baumwollgarn verschluckt jeglichen hall und wandelt gespräche in vielversprechendes gemurmel.


die türe öffnet sich. eine adrett gekleidete frau betritt die eingangshalle. draussen regnet es und das hantieren mit koffer und schirm wirkt umständlich. zielstrebig geht sie zum empfang. den koffer hinter sich herziehend, marschiert sie mit ihren nassen stilettos über den marmorboden.


das klackern der schuhe verklingt an den decken der halle und unterbricht die vermeintlich perfekte szenerie.


she doesn’t care about hotellobby-flair.


N°31

gute alte zeiten


die ampel wird rot und die räder des silbrigen mercedes sl 500 cabrio kommen zum stehen.


es ist ein lauer märztag und wie viele andere verspürt offensichtlich auch dieser frisch pensionierte herr frühlingsgefühle.


seine haut ist goldbraun. eine mischung aus ibiza und solarium. graue brusthaare krausen sich über dem tiefen ausschnitt seines tanktops. eine goldkette glänzt an seinem hals.


während er darauf wartet, dass die ampel auf grün wechselt, setzt er sich eine ray-ban auf und schaut lässig umher. selbstsicher lehnt er mit dem ellenbogen aus dem auto und spielt an seinem ehering.


die musik laut aufgedreht hört er 90s drum 'n' bass und kaut auf seinem kaugummi, als hätte er ein rennen zu gewinnen.


nostalgie an der ampel vor dem supermarkt.


N°32



auf regen folgt sonne


zufrieden steht sie da, mit ihrem frisierten yorkshire terrier, der mit seiner masche im zerzausten fell nicht weniger zufrieden, ja, vielleicht sogar etwas erstaunt ausschaut. gemeinsam warten sie auf den bus.


die luft glasklar, vom regen gereinigt. im rücken die sonne, blickt sie erwartungsvoll zur kreuzung und geniesst die willkommene herbstwärme.


das in ihrem lockigen haar gebrochene licht strahlt von ihr ab und verleiht ihr in ihrer gelben pelerine etwas heiliges.


auf den gläsern ihrer brille sammelt sich dunst. unbekümmert steht sie da. breitbeinig, die hände gefaltet, die augen geschlossen.


frieden liegt in der luft und die nasse erde riecht nach freiheit. "nehmen wir den nächsten", sagt sie zu ihrem hund.


sie haben alle zeit der welt.


N°33



earlybird brightness


wir fahren so langsam vor uns her, hören nick cave & the bad seeds.


das fenster ein spalt offen.

lauer fahrtwind im gesicht.


die ersten weihnachtsbeleuchtungen schmücken die balkone und ich erwische mich, wie ich mich freue.


«wie unpassend», schiesst es mir durch den kopf und ich muss schmunzeln.


es ist november.



N°34


liebe, zucker
&
moneten.


es ist die zeit zwischen weihnachten und neujahr.


betrunken vor liebe schlendern all die satten spatzen durch die bahnhofstrasse. mit gepuderten backen und einem zufriedenen lächeln führen sie ihr neues parfüm aus und wühlen sich durch den sale.


was drei tage zuvor noch glanzvoll drapiert war, ähnelt nun einem wertlosen kleiderhaufen, der darauf wartet, entdeckt zu werden.


die masse bewegt sich in zeitlupe und trägheit scheint keine rolle zu spielen.


überfordert mit der allgemeinen entschleunigung wird mit einer ungeduldigen entspanntheit auf den erlösenden silvester gewartet, der aus altem geschichten schreibt und mit dem ersten glockenschlag um mitternacht neues glück verspricht.


was das neue jahr wohl bringen mag?



N°35



aussendienstheartbeat


tudumtudum.

tudumtudum.


mit 140 auf der überholspur sitzt er leicht nach vorne gebeugt in seinem auto. das steuer fest in beiden händen. das gas durchgedrückt.


den blinker gesetzt, brettert er zähneknirschend an allen vorbei zu seinem meeting bei der raststätte.


wütend verwirft er die hände, bei jedem kriecher, der ihn um fünf sekunden seiner wertvollen zeit bringt.


kaum ausgestiegen streicht er seinen anzug glatt und fahrt sich durchs gegelte haar. seine laptoptasche hat er fest im griff. die haut spannt weiss über den knöcheln seiner finger. einmal durchatmen und los gehts.


ein weiteres gespräch bei dem er in der kalten bistroatmosphäre euphorisch das blaue vom himmel verspricht.


müde sieht man ihn später mit seinem škoda an der tanksäule. unbeteiligt hält er die zapfpistole in der hand. den blick in die ferne. er starrt ins leere und scheint den augenblick zu gneissen.


der geruch nach benzin dillt ihn. heute tankt er voll.


feierabend.




N°36 Test 123




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